Kirche Sogn Vigeli Sedrun

Die Pfarrkirche Sogn Vigeli (Vigilius) in Sedrun 

Geschichtliches

                      Sedrun, Sogn Vigeli tabernachel.jpg                     Sedrun Baselgia s.Vigeli ent.jpg

1205

Im Jahrbuch des 15. Jahrhunderts steht neben dem Datum vom 26. Juni 1205 geschrieben: «dedicatio ecclesie S. Vigilii», also, dass die Kirchweih der Kirche von Sedrun auf den 26. Juni, das Fest des hl. Vigilius, falle.
Vermutlich wurde die erste Kirche von Tujetsch in diesem Jahr geweiht. Die Kirche, die um 1205 gebaut wurde, lag weiter taleinwärts gegen den Drun. Vom Chor aus gelangte man direkt in den Kirchturm. Dies bezeugt noch heute der gewaltige Turm, der anfangs des 13. Jahrhunderts erbaut wurde.
Die Überlieferung weiss zu erzählen, dass das Volk von Tujetsch die Steine für den Turm aus Plidettas neben Burganez, Val Nalps, herbeigeschleppt habe. Dort findet man solche Steine.
Ob bereits vorher eine Kapelle oder eine Kirche in Sedrun vorhanden war, lässt sich nicht feststellen.

1408         

Am 11. Mai wurde der untere Altar geweiht, «altaris inferioris», zu Ehren der Muttergottes.

1490         

Am 10. Januar wurde die Kirche des hl. Vigilius durch Papst Innozenz VIII. dem Kloster von Disentis einverleibt. Sicher besass das Kloster schon vorher das Recht zur Besetzung einer Pfründe.

16.Jh.

Von einem Neubau oder auch einer grösseren Renovation im Laufe des 16. Jahrhunderts ist nichts bekannt. Die Schlitzfenster des Turmes gegen Süden lassen jedoch ahnen, dass der Turm einmal ganz frei da stand und nicht an die Kirche oder an die Vorhalle angebaut war. Vielleicht ist das der Beweis eines Baus, vermutlich des gotischen Zeitalters.
Der gotische Altar in der Kapelle auf der rechten Seite wurde im Jahre 1515 erbaut und diente damals als Hauptaltar.

1609         

wurde in Sedrun eine Bruderschaft des hl. Jakobus gegründet.

1617         

Das Turmdach war sehr einfach gebaut. Darum zog man es in die Höhe und liess es in eine Spitze auslaufen. Die Steinplatten des Daches wurden durch Schindeln ersetzt.
Diese Arbeit ist den damaligen Kirchenvögten Clau Paul und Giuncher Gion de Medell zu verdanken.

1630         

Am 30. Juni wurde der Altar der hl.Brigitte geweiht, der mitten in der Kirche vor den Chorstufen stand.

1643

war das Jahr der bischöflichen Visitation. Der Visitationsbericht zeichnet ein klares Bild von der damaligen Kirche. Sie lag weiter taleinwärts gegen den Drun und war viel kleiner. Die Kirche formte ein Rechteck, der Chor besass ein Gewölbe, die Decke des K irchenschiffs war jedoch flach und aus Brettern.
Die Decke wurde von zwei Säulenreihen gehalten. Als Hochaltar stand der gotische Altar mit den Statuen der Muttergottes, des hl.Florin, des hl.Vigilius und des hl. Sebastian. Heute ist das der Seitenaltar des hl.Grabes.
Auf der Frauenseite stand ein Altar des hl.Sebastian. Daneben befand sich die Kirchturmtüre. Auf der anderen Seite schmückte ein Muttergottesaltar des hl. Rosenkranzes die Kirche. Neben diesem Altar befand sich in der Mauer unter dem Baptisteri um eine Holzgalerie.
Eine Vorhalle aus Holz mit dem Beinhaus schloss die Kirche ab.

1691         

begann man mit dem Bau einer neuen Kirche. Vermutlich war die alte Kirche in schlechtem Zustand oder zu klein. Gegen Westen drohte sie in den Drun zu stürzen. Darum wurde die neue Kirche mehr gegen Osten erbaut, so, dass der Kirchturm, der am Ort blieb, heute vorne steht.
Die Arbeit an der neuen Kirche dauerte bis 1703.
Während der Bauarbeiten an der Kirche des hl. Vigilius, wo sicher das ganze Volk behilflich war, fiel ein Balken auf Margretta, die Frau des Giachen Gion Pieder. Sie starb am 12. August 1691.

1691         

wurde die Bruderschaft des hl. Rosenkranzes gegründet.

1692         

Die erste Taufe in der neuen Kirche in Sedrun fand am 22. November statt. Das erste Kind hiess Maria Catrina Beer, Tochter des Giachen und der Maria Berther.

1695         

Am 12. Juli wurde die heutige Kirche eingeweiht.

1703

Die Bruderschaft des hl. Skapuliers wurde am 18. Januar 1703 gegründet. Im Jahre 1970 wurde sie wieder aufgelöst.

1839         

Bei der Renovation von 1981 wurde auch die oberste Kugel auf dem Kirchturrn entfernt. Alle waren gespannt, was sie enthielt. In einer Holzschachtel kam ein einfacher Zettel mit folgender Notiz zum Vorschein:
«Anno post Christum natum 1839
Dum Aethuati essent
Parochus Josephus Hitz
Lucas Caveing Curator E.. a paroch.
Landammanus Christ. Wenzin
Joannes Michael Mon et
St Joan Sebastian Mon Jurati
Orate pro nobis.»

1885

Die Schreinermeister Maissen von Rabius lieferten der Kirchgemeinde von Tujetsch für die Pfarrkirche:
- eine grosse Eichentüre für die Vorhalle,
- eine Türe auf der Friedhofseite mit Fenster,
- zwei Türen in der Kirche,
- Altarstufen und Galerien.
Die Eisenbeschläge für die Türen lieferte der Schmied Clau Albin von Rabius.

1888

Die ganze Kirche wurde gründlich renoviert nach Plänen des Domvikar Dengler von Regensburg und der Firma Gebrüder Goss Stadtamhof-Regensburg, Bayern.

1889

Die Firma Goss aus Bayern lieferte eine Muttergottes-Statue, die zum Teil von den Tujetscher Jungfrauen bezahlt wurde. Heute schmückt diese Statue den Altar in der Kapelle auf der linken Seite.
Die Kreuzwegtafeln, die noch heute unsere Kirche zieren, stammen auch aus diesem Jahr. Sie sind eine Arbeit des Künstlers Deplaz von Regensburg, gebürtig von Selva. Alle 14 Bilder mit Rahmen kosteten 950 Franken.1973 wurden die Rahmen entfernt.

1893

«Eisi fatg e dau colur il tetg dil clutger-baselgia da Sedrun. Sco era mess si la crusch e cuppa nova.» (Wurde das Kirchturmdach von Sedrun errichtet und gestrichen. So auch das Kreuz und die neue Kuppel aufgesetzt.) So lautet eine Notiz aus diesem Jahr.

1917

Das Kirchendach sowie die zwei Turindächer wurden mit Steinplatten aus dem Wallis bedeckt.

1919

Elektrische Installation durch die Firma Edgar Lüthy, Bazenheid.

1935

In den Jahren 1935/36 wurde zum zweiten Mal restauriert. Die Altäre wurden von der Firma Stöckli, Stans, renoviert. Josef Malin von Liechtenstein sorgte für die Stukkatur.

1951

Elektrische Heizung durch Elektrizitätswerk Bündner Oberland (EWBO).

1963

Neuer Beichtstuhl (wieder entfernt) und neues Tabernakel.

1965

Im Monat September wurden die Lautsprecher installiert.

1973

Die Kirche bekam neue Bänke, die Empore wurde verstärkt und renoviert, die Fussböden der Korridore wurden mit Granitplatten bedeckt. Das Innere der Kirche wurde gestrichen. Eine neue Heizung wurde installiert.

1981

erfolgte eine Aussenrenovation der Kirche von St. Vigilius. Das Gemäuer wurde ausgebessert, verputzt und geweisselt. Die Kirche bekam ein neues Dach aus Kupferplatten.
Auch der Turm wurde restauriert; von oben bis unten wurden die Steine gereinigt, und er bekam ein neues Dach aus Kupferplatten.

   

Führer der Pfarrkirche St. Vigilius in Sedrun

Hochaltar 1702

 

Der Hochaltar, dem Kirchenpatron gewidmet, ist ein Werk von Johannes Ritz von Selkingen, Wallis. Es war der erste Altar, den Ritz auswärts erbaute. Interessant ist auch der Vertrag zwischen der Kirchgemeinde und Ritz:
«Im Jahre 1702 den 6. Aprilis, ist ein auffrechter und redtlicher mercht geschechen entzwischen dem kirchen vogt S. Vigilij zu Thawetsch sambt den gesambten herren einess theilss und den meister Johannes Ritz bildthawer von Walliss zu Seelgen gelegen mit nach vollgenden pacten wie nachvollget: Erstlichen soll dass chor altar gemacht werde nach ausweiung dess abriss sambt den tabernakel in dem fuess einzusezen. zum anderen soll die kirchen geben wegen diser arbeit 230 reichs thaler, den halben theil zu bezahlen mit bahrem gelt, den andern mit vüch. letslichen ist dem meister auff dem mercht geben worden 4 philipp, falss er mit todt abgienge, wollen solche seine Kinder erstatten, und ist solches geschrieben durch mich Ludwig Jagmet, da mahlen pfarherren zu Thavetsch in beysein der herren geschworenen alss namblichen Herrn str. Jacob Durtschey, Herrn str. Jakob Soliwa, Herrn str. Johan Mon und Herrn str. Benedict Siewi, kirchenvogt, den tag und jahr wie obstehet.
Ich Johannes Ritz beken wie obstett»
Der Altar ist ein Werk von ansehnlicher Qualität, sowohl in seiner Ganzheit wie in den Einzelheiten. Das Gemälde in der Mitte stellt das Martyrium des hl. Vigilius dar, der Bischof von Verona in Italien war. Dieses Gemälde ist ein Werk des Malers Sigisbert Frey von Disentis 1703.
Rechts vom Gemälde die Statue des hl. Petrus und links des hl. Paulus. Etwas höher links hl. Antonius und rechts hl. Lucius. Dazwischen eine schöne Muttergottes-Statue, Mariä Himmelfahrt, und darüber eine Statue des hl. Vaters. Über den Seiteneingängen befinden sich Reliquienschreine unter Baldachinen. Später kam wahrscheinlich ein Werk von Jodok Ritz, Sohn des Johannes, noch dazu. Im Tabernakel eine Statuengruppe, die das hl. Abendmahl darstellt. Beiderseits Szenen aus der Passion Christi.
Auf dem Altar steht geschrieben: «IOANNES - RIZ VON WALS - HAT DISEN - ALTAR - GEMACHT - 1703.»

Seitenaltäre

Die zwei Altäre beiderseits des Gewölbes, vor dem Choreingang, stammen aus der Werkstatt von Ritz. Sie sind aber nicht von Johannes Ritz gebaut worden, sondern um 1725 von seinem Sohn Jodok Ritz.

Rechts

Altar des hl. Sebastian. Zentrales Gemälde: hl. Sebastian, hl. Placidus, hl. Jakobus und hl. Karl Borromäus, vermutliche ein Werk von Sigisbert Frey, Disentis. Rechts vom Gemälde eine Statue eines unbekannten Bischofs, links hl. Martin, über dem Zentralgemälde hl. Lucius, rechts hl. Emerita und links hl. Placidus.

Links

Altar der hl. Brigitte. Das Gemälde stammt vermutlich auch von Sigisbert Frey; es zeigt hl. Brigitte von Irland und hl. Brigitte von Schweden als Klosterfrauen. Rechts hl. Florin von Remüs, darüber hl. Martin; links hl. Josef und darüber der Evangelist Johannes; in der Mitte die Statue des hl. Sebastian.

In der Kapelle links

Altar der Muttergottes des hl. Rosenkranzes. Stukkaturaltar von geringem künstlerischem Wert; zwei Teile aus künstlichem rotem Marmor und Dekorationen im Rokoko-Stil. In der Mitte eine Muttergottes-Statue aus dem Jahre 1889, um die Muttergottes Medaillons mit den fünfzehn Geheimnissen des Rosenkranzes. Der Altar wurde um 1691 errichtet, Künstler unbekannt.

In der Kapelle rechts

Altar des hl. Grabes. Das ist wohl der wertvollste gotische Altar unserer Pfarrkirche. Laut Visitationsbericht von 1643 bestand der damalige Altar aus Elementen dieses gotischen Altars. Der Künstler dieses schönen Werkes ist leider nicht bekannt. Der Altar, um 1515 errichtet, wurde 1888 restauriert, die Bilder im Jahre 1934 von Dr. Lausser. Im Mittelpunkt sehen wir die Muttergottes mit dem Christkind, links den hl. Vigilius und den hl. Sebastian mit den Pfeilen; rechts hl. Brictius Bischof und hl. Lucius mit Kugel und Stab. Darüber Blätterdekoration, dazwischen Reliefs von Vögeln und Engeln, hl. Florin und ein Bischof. Auf dem rechten Flügel die hl. Ursula mit Pfeil und die hl. Brigitte; auf dem linken Flügel die hl. Katharina und die hl. Barbara mit dem Kelch. Unten am Altar (an der Predella) Christus und die elf Apostel. Die Predella ist neu (1888), die Figuren sindjedoch alt. Das Gemälde auf den geschlossenen Flügeln stellt den Besuch der drei Könige in Betlehem dar. Hinter dem Altar das Gemälde mit Christus und den Jüngern im Olivengarten. Der Altartisch besitzt zwei Türen, die man öffnen kann, um Christus im Grabe zu bewundern, auf den offenen Türen zwei Engel als Wache. Ganz oben eine wertvolle Christus-Statue, Ecce Homo.

   

Kruzifix

Das Kruzifix von natürlicher Grösse, das im Gewölbe hängt, stammt aus der Zeit um 1690.

Kandelaber

Die Kandelaber aus der Barockzeit am Choreingang um ca. 1670.

Chorgestühl

Das Chorgestühl wurde zum Teil bei der Erbauung errichtet, später renoviert und um einen Stuhl erweitert.

Kirchenbänke

Die Kirchenbänke stammen aus dem Jahre 1973.

Portal

Das Portal wurde um 1692 erbaut, Reliefarbeit. Die Türschwelle ist neu, von C.A. Beer 1936.

Kanzel

Die Kanzel stammt vermutlich aus der gleichen Werkstatt wie das Chorgestühl und das Portal, also um 1692.

Beichtstuhl

Der Beichtstuhl wurde 1934 errichtet. Vorher befand sich dort beiderseits eine Türe, die ins Freie führte. Vor 1934 wurde hinter dem Hochaltar gebeichtet.

Kreuzweg

Die Tafeln stammen aus dem Jahre 1889 und sind eine Arbeit aus dem Atelier von G.G. Deplaz, Regensburg. 1973 wurden die Rahmen entfernt.

Gemälde

Das Gemälde über der Empore stellt den Kirchenpatron, den hl. Vigilius, und die Pfarrkirche sowie einen Teil des Dorfes Sedrun dar. In der Mitte: Der hl. Geist kommt über die Jünger. Das dritte Gemälde im Gewölbe zeigt Christi Auferstehung. Diese drei Gemälde stammen aus neuerer Zeit, der Maler ist nicht bekannt. Die Gemälde am Gewölbe sind älter. Rechts die Muttergottes: ECCE MATER TUA - links: ECCE FILIUS TUUS, Jesu Christi.

Orgel

Diese befand sich früher auf der Empore im Chor links über der zweiten Sakristei. 1805 wurde die Orgel von Silvester Walpen, Wallis, erweitert und auf die neue Empore über dem Portal versetzt. 1888 wurde die Empore auf die ganze Breite der Kirche erweitert. 1899 lieferte die Firma Mayer von Feldkirch eine neue Orgel mit 16 Registern und zwei Manualen. Am 6. Oktober 1957, am Rosenkranzfest, wurde die neue Orgel eingeweiht. Sie wurde von den Gebrüdern Metzler von Dietikon, Zürich, gebaut.

Vorhalle

Beiderseits des Eingangs befindet sich eine Statue. Beide stellen einen Bischof dar, vermutlich den hl. Vigilius. Links ist das Beinhaus, die Totenschädel und ein Gemälde des Fegefeuers wurden entfernt, die Statuen des hl. Dominik und der hl. Katharina, in der Mitte ein schönes Kruzifix, schmücken diese Kapelle. Rechts befand sich früher das Kirchenarchiv (heute im Gemeindehaus), seit 1979 Leichenkapelle. Fenster von Dea Murk: Auferstehung - die fünf Wundmale - Ostersonne.

Kleiner Turm

Glocken des kleinen Turms: Durchmesser 46 cm. Inschrift: «Et ferbum (!) caro factum est. Anno 1759. A.K. (Anton Keiser) ZUG GOSS MICH». Darstellung: Kreuzigung und Maria. Der Durchmesser der zweiten Glocke beträgt 47,5 cm. Inschrift: «Judica DNE nocentes me et expugna impugnantes me. JO BAPTISTA UND HANS GEORG ERNST ZU LINDAW GOSSEN MICH 1628.»

Der Turm

Romanischer Stil - quadratischer Grundriss und Rundbogenfenster. Bis zur Kreuzspitze misst der Turm 41,95 m.
Er wurde zwischen dem Ende des 12. und dem Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut. Die Steine stammen aus Plidettas neben Burganez, Val Nalps. Näheres über den Kirchenbau von Sedrun weiss Arnold Büchli (Mythologische Landeskunde von Graubünden, S. 134 f.) zu berichten: «Die Steine für den Turm sind unbehauene Natursteine, und die gab es in Burganez. Um diese zu holen, seien die Leute hinein gegangen und hätten sie an den Sonntagen nach der Vesper hinaus getragen. Männer, Frauen und Kinder. Jeder trug, was er konnte; die Kinder nahmen einen kleinen. Und so wurde es ein grosser Haufen Steine.»
1617 wurde das einfache Dach erhöht und spitz in die Höhe gezogen. Schindelbedekkung ersetzte die Steine.
«Beim Bau des Turms wollte man ein eisernes Kreuz zuoberst hinstellen, und ein Mann ist auf die Turmspitze gestiegen. Und dann, wie er das Kreuz hat einsetzen wollen, hat er drei Löcher gesehen und den Leuten drunten auf dem Platz zugerufen, es seien drei Löcher; in welches er das Kreuz einsetzen solle. Die drunten hätten schon gewusst, dass ihn der Schwindel erfasst habe, wenn er drei Löcher sehe. - Es war ja nur eines. Und sie hätten hinaufgerufen: 'In das mittlere!' Und er hat geglaubt, das mittlere Loch sei das richtige, und es sei geglückt. Er hat das Kreuz eingesetzt und ist heruntergefallen und tot gewesen.» (Büchli, Mythologische Landeskunde, S. 135)

Glocken im Turm

Grosse Glocke: Durchmesser 124 cm. Inschrift: «TU NOCUOS IM(B)RES INIMICOS TU AERIS AUSUS CHRISTI MERITUM TU PROCUL HINC AGITO. SANCTA MARIA ORA PRO NOBIS M D CCC XXI (1821) J.B. MONZINI FUDIT»
Dargestellt werden: hl. Florin, hl. Jakob der Ältere, hl. Rochus und Kreuzigung.
Zweite Glocke: 10 cm. «A CUNCTIS POPULUM PROTEGE CHRISTE MALIS SANCTE VIGILI ORA PRO NOBIS J.B M F»
Darstellungen: hl. Moritz, hl. Priester, hl. Michael und Kreuzigung.
Dritte Glocke: wird auch italienische Glocke genannt. 99 cm. Inschrift: «TUIT FIDES PIETASQUE PARENTUM. HEU MEMORI GRATUS MENTE REPONE PIOS S.ANTONI ORA PRO NOBIS J B M F»
Diese drei Glocken wurden im Oktober 1821 im Friedhof von S.Gion in Disentis durch J.B. Monzini von Bergamo gegossen.
Vierte Glocke.- 70 cm. Inschrift: «ET VERBUM CARO FACTUM EST ET HABITAVIT IN NOBIS ANNO 1759 A.K. (Anton Keiser) ZUG»
Dargestellt sind: hl. Maria, hl. Michael, hl. Antonius von Padua, Kreuzigung.
Kleine Glocke: «SANCTA MARIA ORA PRO NOBIS»
Gegossen 1906 von der Firma Rüetschi in Aarau.
Seit 1965 wird nicht mehr von Hand geläutet.

Gemälde auf dem Turm

Gegen Norden ein Gemälde des hl. Georg, es stammt aus dem 18. Jahrhundert.
Laut Überlieferung soll der Maler Felici Diogg, gestorben 1834, dieses Gemälde gemalt haben. Seine Mutter war eine Mr. Catrina Deflorin von Tschamut.
Die Überlieferung sagt auch, dass vorher ein Gemälde des hl.Christophorus an dieser Stelle den Turm geschmückt habe.

Friedhof

Der Friedhof unterhalb der Kirche St. Vigilius in Sedrun war immer Friedhof für das ganze Tal. 1959 wurde er erweitert und neu eingeteilt. Aber wie war das vor Jahrhunderten, bevor eine Kirche im Tujetsch erbaut wurde? Vielleicht mussten unsere Vorfahren nach Disentis ziehen.  Die St.-Agatha-Kirche in Disentis ist eine typische Talkirche und mag vor 1200 den ersten Bewohnern von Tujetsch, denjenigen von Medel und Disentis, als Gemeinschaftskirche gedient haben.
Mussten sie sogar ihre Verstorbenen nach Disentis überführen, um sie dort zu begraben?

Zum Schluss

Die Kirche von St. Vigilius umfasst die drei wichtigsten sakralen Baustile, nämlich Romanik, Gotik und Barock. In romanischem Stil ist der Turm, 12./13. Jahrhundert, das Spitzdach stammt aus dem Jahre 1617. Der Altar des hl.Grabes datiert aus gotischer Zeit 1515 (Spitzbogen).
Die Kirche mit den Altären, um 1691-1703 gebaut, ist in barockem Stil. Renovationen:      1888, 1935/36,1973 innen und 1981 aussen.